Facharbeit Geschichte
Der Kreisauer Kreis und sein besonderer Beitrag zum deutschen Wiederstand
Name des Gymnasiums hier Kollegstufe 2002/04
Facharbeit
aus dem Fach
Geschichte
Thema:
Der Kreisauer Kreis und sein besonderer Beitrag zum deutschen Widerstand
Verfasser: XXXXXXXXXXXXX
Leistungskurs: 3G0
Kursleiter: Frau Dr. XXXXXXXXXXXXX
Abgabetermin: 2. Februar 2004
Erzielte Note: .......... in Worten:.........................
Erzielte Punkte: ....... in Worten:.........................
(Einfache Wertung)
Abgabe beim Kollegstufenbetreuer am: ............................
Vorwort
„Über den Kreisauer Kreis ist - einem Urteil der Nachkriegszeit entstammend, das auf die taktisch bedingten Argumente der Kreisauer bei ihrer Verteidigung vor dem Volksgerichtshof zurückging - noch immer vielfach das Mißverständnis verbreitet, als hätten die Mitglieder des Kreises ‚nur gedacht‘, sich nur mit theoretischen Gedankenspielen befaßt, während man das eigentliche Handeln für die Überwindung des Regimes und damit das volle, letzte Risiko anderen überlassen habe."1 Dabei wurde der Kreisauer Kreis mit einem Haufen von Kriegsdienstverweigerern verglichen, ohne zu beachten, dass sich die Kreisauer wesentlich komplexeren Aufgaben widmeten wie zum Beispiel die Planungen für eine Neuordnung nach dem Hitlerregime. Auch wird oft vergessen, dass die Mitglieder bereit waren ihr Leben zu geben, da sie genau wussten in welcher Gefahr sie schwebten. Trotzdem nahmen sie dieses Risiko auf sich, um die, die sie liebten, von der Geisel des Nationalsozialismus zu befreien. Dieser Kreis von Verschwörern kann als ein Musterbeispiel menschlicher Tugendhaftigkeit und Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen gesehen werden. Der Kreisauer Kreis ist damit nicht nur eine Widerstandsgruppierung, die mit ihrem Ende bzw. mit dem Ende des Krieges aus den Köpfen der Menschen verschwand. Einige derjenigen, die der Verfolgung nach dem Attentat vom 20. Juli entkamen, beteiligten sich nach Kriegsende weiterhin aktiv in der Politik.
Die Namensgebung
Die Namensgebung des Kreisauer Kreises fand erst nachträglich nach der Zerschlagung und Verhaftung der Mitglieder durch das NS-Regime statt. Der Begriff Kreisauer Kreis löste ab dem 25.08.1944 den bis dahin verwendeten Begriff Gruppe um Moltke ab. Ebenfalls zu berücksichtigen ist, dass der Hauptsitz der Gruppe, nämlich das Gut des Grafen Moltke, sich in Kreisau befand, was nicht unwesentlich zur Namensgebung beitrug.
Die Mitglieder
Der Kreisauer Kreis bestand nicht, wie viele vielleicht annehmen mögen, aus einer bestimmten Anzahl an Mitgliedern. Vielmehr war er eine Gruppierung ohne feste Mitglieder ebenso wie ohne eine feste Organisationsstruktur. Bei den Mitgliedern handelte es sich nicht um eine einheitliche Gruppe von gleicher Herkunft. Trotz der vielen Gegensätzlichkeiten innerhalb des Kreises ließ das gemeinsame Ziel alle Unterschiede und Grenzen in den Hintergrund treten. Das Einzige, das die Mitglieder miteinander verband, war die Ablehnung gegenüber dem NS-Regime. Trotz alledem blieben die Mitglieder Individualisten. Dies ist auch der Grund, weshalb der Kreisauer Kreis als die „... große Koalition ..."² des Widerstandes betitelt wurde. Es handelte sich vielmehr um einen freundschaftlichen Zusammenschluss, in dem Männer und Frauen ohne jede feste Organisationsstruktur aufgrund ihrer privaten und religiösen Auffassung zusammenfanden. Das gemeinsame Ziel war die Beseitigung der Herrschaft durch die Nationalsozialisten sowie die Ausarbeitung einer neuen Ordnung.
Im Laufe dieser Kooperation wuchs der Kreis zu einer Gemeinschaft zusammen. Die Mitgliederzahl lässt sich nicht genau wiedergeben, da es keine konstante Mitgliederschaft gab. Nach Kriegsende bestätigten die Witwen Moltkes und Yorcks folgende Personen als den Kern der Gruppe: Helmuth James Graf von Moltke, Peter Graf Yorck von Wartenburg, Adam von Trott zu Solz, Hans-Bernd von Haeften, Carl Dietrich von Trotha, Horst von Einsiedel, Adolf Reichwein, Theodor Haubach, Carl Mierendorff, Julius Leber, Harald Poelchau, Eugen Gerstenmaier, Theodor Steltzer, Hans Lukaschek, Paulus van Husen, Hans Peters, Augustin Rösch SJ, Alfred Delp SJ.
Der Kreisauer Kreis wurde von zwei herausragenden Personen geführt, Helmuth James Graf von Moltke und von Peter Graf Yorck von Wartenburg, welche beide als die geistigen Köpfe des Kreises gelten. Moltke erstellte das Beratungsprogramm und trieb das Planungswerk voran. Er prägte den Kreis wie kein anderer. „Seitdem der Nationalsozialismus an die Macht gekommen ist, habe ich mich bemüht, seine Folgen für seine Opfer zu mildern und einer Wandlung den Weg zu bereiten. Dazu hat mich mein Gewissen getrieben - und schließlich ist das eine Aufgabe für einen Mann."3 Mit diesen Worten erklärte Moltke in seinem Abschiedsbrief an seine Familie sein Handeln und die Beweggründe dafür. Die Gründe für diese Einstellung liegen in Moltkes Erziehung. Seine Eltern vermittelten ihm eine humanistische und liberale Erziehung. Später war seine Motivation und seine Triebkraft das Christentum und die Hinwendung zu den christlichen Glaubensgrundsätzen. Zu Moltkes Vorfahren zählt der berühmte Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke, der unter Bismarck viele beachtliche militärische Erfolge feiern konnte. Seit dem Sieg über Frankreich wurde er als eine Art Volksheld verehrt. 1866 erwarb er das Gut Kreisau in Schlesien. Die von väterlicher Seite vermittelte Erziehung war eher konservativ, die von mütterlicher Seite eher liberal. Helmuth James Mutter konnte auf angelsächsische Wurzeln zurückblicken, während sie selber die Tochter des aus Schottland stammenden Obersten Richter von Südafrika, James Rose Innes war. Ursprünglich wollte Helmuth James Landwirt werden, nach seinem Schulabschluß 1925 in Potsdam entschied er sich Rechts- und Staatswissenschaften zu studieren. Im Rahmen dieses Studiums verbrachte er viel Zeit in den Städten Breslau, Berlin und Wien. Hierbei entwickelte er auch ein Interesse für Politik. Schon früh hatte er sehr liberale Gedankenansätze wie zum Beispiel die Abschaffung der Klassen. Bevor er jedoch sein Studium beenden konnte, wurde er zurück berufen, um das in finanzielle Not geratene Gut Kreisau zu verwalten. Am 31.10.1931 heiratete er die Bankierstochter Freya Deichmann aus Köln. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor, die 1937 und 1941 geboren wurden. 1934 schloss er seine Juristenausbildung ab, und arbeitete danach als Anwalt im Sektor Völkerrecht und internationales Privatrecht. Zwischen 1935 und 1938 war er regelmäßig in England um die Ausbildung zum britischen Anwalt (Barrister) zu machen. Bereits hier knüpfte er die für ihn später so wichtigen Kontakte. Im Januar 1940 kam es zum ersten Treffen mit Yorck, mit dem er entfernt verschwägert war. Bereits im Januar 1944 wurde Helmuth James festgenommen und am 8.8.1944 in einem Gefängnis in Berlin-Plötzensee gehängt.
Die zweitwichtigste Person im Kreis war Peter Graf Yorck von Wartenburg. Auch er hatte geschichtsträchtige Vorfahren.
Feldmarschall Graf Johann David Ludwig Yorck von Wartenburg befreite im Jahre 1812/13 Preußen und Deutschland aus napoleanischer Zwangsherrschaft. Dafür bekam er das in Schlesien gelegene Landgut Klein-Oels. Hier wuchs später auch Peter auf. Er war das fünfte von zehn Kindern
(drei Brüder und sechs Schwestern). Die prägende Gestalt in seiner Kindheit stellte wohl sein Vater, Heinrich Graf Yorck von Wartenburg, dar. Dieser war der Urenkel des Feldmarschalls und erbliches Mitglied im preußischen Herrenhaus. Gedanklich war sein Vater mit den Traditionen verwurzelt, eher konservativ eingestellt, jedoch offen für Reformen. Er erzog seine Kinder zu sozialem Verantwortungsbewusstsein. 1927 schrieb Peter Yorck seine Doktorarbeit und beendete das Studium der Rechts- und Staatswissenschaften. Nach dem Assesso Examen im Mai 1930 bekam er eine Stelle als Regierungsrat am Oberpräsidium in Breslau. 1938 wurde er zum Oberregierungsrat befördert. Weitere Beförderungen blieben aus, da er sich konstant weigerte in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei einzutreten. 1939 nahm er als Leutnant der Reserve am Polenfeldzug teil, wenig später (1942) wechselte er komplett zum Militär und übernahm Tätigkeiten im Wirtschaftsstab Ost. Hier kam er auch in Berührung mit Mitgliedern des militärischen Widerstandes. Seine Frau Marion, geborene Winter, war ebenfalls Juristin und auch aktiv an der Arbeit des Kreises beteiligt. Die Heirat fand am 31. Mai 1930 statt. Nach dem 20.Juli 1944 wurde sie genau wie die anderen Frauen der Widerständler in Sippenhaft genommen.
Adam von Trott zu Solz war für den Kontakt zu außer-deutschen Regimegegnern zuständig. Er war das jüngste Mitglied im Kreis und stammte von einem uralten hessischen Geschlecht ab. Geboren wurde er im August 1909 in Potsdam. Zu seinen Vorfahren zählte auch der berühmte John Jay, einer der Gründungsväter der USA. Trott genoss eine konservativ-liberale Erziehung und studierte von 1927 ab in München, Berlin und Göttingen Rechts- und Staatswissenschaften. Von 1931 bis 1933 studierte er in Oxford Politik und Wirtschaftslehre. Nach seiner Rückkehr begann er eine juristische Referendarausbildung, die er 1936 in Kassel abschloss. Da zu dieser Zeit verstärkt Integrationsprobleme auftraten, flüchtete er sich in Auslandsstudien, zuerst in den USA dann in China (1937/1938). Der Tod seines Vaters zwang ihn 1938 zur Rückkehr nach Deutschland, wo er sozialistische Edikte und Rezensionen veröffentlichte. Zunächst lehnte auch er den Parteieintritt kategorisch ab, da er das kommende Unheil ahnte. „Wenn wir schon uns mit einer Epoche abfinden müssen, in der die größere Wahrscheinlichkeit für ein vorzeitiges Lebensende steht, so sollten wir doch wenigstens dafür sorgen, dass es einen Sinn hat, zu sterben - gelebt zu haben."4 Auch er hatte mehrfach die Möglichkeit sich ins Ausland abzusetzen, lehnte dies jedoch aus Pflichtbewusstsein gegenüber dem Vaterland stets ab. Trotzdem trat er 1940 in die NSDAP ein, aber nur um seiner Tätigkeit gegen das Regime dort weiterhin ungestört nachgehen zu können. 1943 wurde er zum Legationsrat im Auswärtigen Amt ernannt. Trott und Moltke lernten sich 1937 in Oxford kennen. So kam Trott frühzeitig zum Kreis. Dort gehörte er zu den aktivsten Mitgliedern, zudem war er auch noch für andere Widerstandsgruppen tätig. 1940 heiratete er seine Frau Clarita. Mit Stauffenberg verband ihn eine enge Freundschaft. Nach dem gescheiterten Attentat von 1944 wurde er mit nur 35 Jahren hingerichtet.
Hans-Bernd von Haeften zählt zu den vorsichtigsten Mitgliedern des Kreises. Leider ist über ihn nur sehr wenig bekannt, da er es wie kein Zweiter verstand seine Spuren zu verwischen. Haeften zog sich schon recht früh die Abneigung der Nazis zu. Auch er lehnte den Parteieintritt ab, tat dies aber öffentlich. Geboren wurde er 1905 in Berlin, sein Vater Hans von Haeften war Generalstabsoffizier im Ersten Weltkrieg und später Präsident des Reichsarchivs. Seine Mutter hieß Agnes von Brauchitsch. Auch er wuchs liberal-konservativ auf mit Bindung zur evangelisch-lutherischen Kirche. Der Glaube galt bei ihm als Lebensgrundsatz. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften 1928/1929 strebte er eine diplomatische Kariere an. 1930 heiratete er Barbara Curtius. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor. 1933 wurde er in den Auswärtigen Dienst aufgenommen. Haeften war öffentlicher Anhänger der bekennenden Kirche. Seit 1937 war er Legationssekretär in Bukarest bevor er 1940 nach Berlin ins Auswärtige Amt zurückberufen wurde. Weiterhin ist bekannt, dass er aus Vorsicht nie an den Tagungen in Kreisau teilnahm.
Carl Dietrich von Trotha war eines der ersten Mitglieder im Kreis. Dies ist darauf zurückzuführen, dass er Moltkes Vetter war und diesen schon seit ihrer gemeinsamen Jugend kannte. Auch er war nie auf den Tagungen anwesend, ließ sich aber durch Einsiedel vertreten. Da seine Mitarbeit an der Ausarbeitung des Wirtschaftsprogrammes außer Zweifel ist, wird er heute zur Kerngruppe des Kreises gezählt. Auch er wuchs in Kreisau auf und besuchte zusammen mit Vetter Helmuth James von Moltke das Gymnasium in Scheidnitz. Bereits als Schüler schloss er sich einer Jugendbewegung an und gründete wenig später eine Pfadfinder Gruppe, in der er sich sehr engagierte. Er war Verfechter einer europäischen Einigungsidee. Von 1925 an studierte er Jura, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Breslau, Kiel, London und Leeds. Danach wurde er mit der Führung der schlesischen Arbeitslager betraut. 1933 schloss er seine ökonomischen Studien in Frankfurt ab und heiratete im Herbst des selben Jahres die Soziologin Dr. rer. Pol. Margarete Bartelt. Sie hatten zusammen vier Söhne.1936 trat Trotha in das Reichswirtschaftsministerium ein, wo er wenig später zum Oberregierungsrat ernannt wurde. Dies gab ihm die Möglichkeit erste Kontakte zum Widerstand herzustellen und zugleich Opfern des NS Terrors zu helfen. Seine Arbeit im Kreisauer Kreis beschränkte sich hauptsächlich auf wirtschaftliche Themen. Er starb 1952.
Horst von Einsiedel galt als eines der aktivsten Mitglieder, was wohl auch darauf zurückzuführen ist, dass er regelmäßig an den Treffen des Kreises teilnahm. Auch er verstand es seine Spuren vorbildlich zu verwischen. Er gehörte zu den wenigen, die sich der Verfolgung nach dem 20. Juli entziehen konnten. Wenig später wurde er von russischen Streitkräften gefangen genommen und kam in Ostdeutschland ums Leben. Horst von Einsiedel wurde als Sohn eines Arztes in Dresden geboren. Die Mutter war Halbjüdin. Ab 1924 studierte er in Breslau und freundete sich mit seinem Studienkollegen von Trotha an. Einsiedel war mitverantwortlich für die schlesischen Arbeitslager. Hier lernte er auch viele spätere Mitglieder des Kreises kennen. Nach 1928 begann er sich verstärkt für Volkswirtschaftslehre zu interessieren. Von 1930 bis 1932 studierte er an der Harvard Universität. Nach seinem Studium nahm er im Jahre 1934 eine Anstellung bei Reichsstelle Chemie an. Er wurde schnell zum Leiter der Planungsabteilung befördert.
Das Wirken Einsiedels innerhalb des Kreises betraf vor allem die Ausarbeitung der Wirtschaftsfragen. Außerdem war er das Verbindungsglied zu wichtigen Gewerkschafts- und kirchlichen Gruppen außerhalb des Deutschen Reiches.
Ebenfalls zu den bedeutendsten Personen innerhalb des Kreises durfte sich der Wissenschaftler Adolf Reichwein zählen. Nach dem Umsturz war er für das Amt des Kultusministers vorgesehen. Außerdem wurde ihm eine außergewöhnlich starke Ausstrahlungskraft zugeschrieben. Seine Kompetenz war unbestritten und er genoss das Vertrauen aller Mitglieder. Selbst bis heute hat er nichts von seiner Popularität eingebüßt. So kommt es auch, dass er im Osten als auch im Westen verehrt wird, besonders wegen seines Einflusses auf die moderne Reformpädagogik. Geboren als Sohn eines hessischen Volksschullehrers, meldete sich Adolf Reichwein kurz nach seinem Abitur freiwillig zum Kriegsdienst. Doch der Krieg veränderte seine Einstellung enorm, so dass er letztendlich die Revolution von 1918 befürwortete. Er war eine wissbegierige Person, die keine Gelegenheit ausließ, sich weiter zu bilden. 1923 beendete er seine Studien auf den Gebieten Geschichte, Philosophie und Volkswirtschaft. Danach war er drei Jahre lang in Jena tätig, bevor er 1926 zur wissenschaftlichen Arbeit zurückkehrte. Im Rahmen dieser Arbeit bereiste er Amerika, Japan, England, Skandinavien und China. Dieser Lebensabschnitt gilt als sehr prägend auf sein späteres Wirken. Auch er war bekennender Sozialist, so dass es nicht weiter verwundert, dass er im Jahre 1930 der SPD beitrat. Nach der Machtergreifung 1933 wurde er aus seinem Amt als Professor für Geschichte und Staatsbürgerkunde entlassen. Verheiratet war er mit Rosemarie Pallat, die ihm drei Kinder gebar. Wenig später wurde er als Abteilungsleiter des deutschen Volkskunde Museums nach Berlin einberufen. Innerhalb des Kreises galt er als Kulturexperte und war wesentlich an der Gestaltung des Kulturprogrammes beteiligt. Auch er lernte Moltke im schlesischen Arbeitslager kennen.
Einer der beiden führenden Sozialdemokraten im Kreis stellte neben Carlo Mierendorff sein enger Freund Theodor Haubach dar. Er stieß 1941 zum Kreis und war nach dem Umsturz als Minister für Presse und Volkserziehung vorgesehen. Haubach wuchs als Halbweise auf und besuchte bis 1914 ein humanistisches Gymnasium in Darmstadt. Danach nahm auch er freiwillig am Ersten Weltkrieg teil, bevor er 1923 in Heidelberg promovierte. Seit 1922 war er Mitglied in der SPD, 1924 wurde er Redakteur eines sozialistischen Blattes in Hamburg. Ab 1930 hatte er das Amt des Pressechefs der Berliner Polizei inne, wenig später nämlich Ende 1932 wurde er politischer Redakteur der Bundeszeitung Das Reichsbanner. Durch zahlreiche Auftritte in der Öffentlichkeit machte er schnell auf sein rednerisches Talent aufmerksam, welches er nutzte um auf die Pläne der Nationalsozialisten aufmerksam zu machen. Seine militante Art brachte ihm 1933 einen kurzen Aufenthalt im Gefängnis ein. Bereits ein Jahr später wurde er für zwei weitere Jahre wegen der Organisation illegaler SPD Treffen inhaftiert. Im Jahre 1936 wurde er entlassen bevor man ihn 1939 wieder in Haft nahm. Während dieser Zeit wendete er sich verstärkt dem Christentum zu. „Der Mensch ist nichts, wenn er nicht dem Dauernden und Höheren dient, und wenn er von Untergang und Tod bedroht ist, so kann und soll er sich erheben in Dienst und Werk, das jeden Menschen über sich hinaus trägt und ihm Anteil gibt an der Ewigkeit."5
Der zweite bedeutende Sozialdemokrat war, wie oben bereits erwähnt, Carl Mierendorff. Er gilt neben Moltke und Yorck als eines der aktivsten Mitglieder. Dabei vertrat der ehemalige Reichstagsabgeordnete und Antagonist Goebbels stets die Sache des Volkes. Auch er war Kriegsteilnehmer, aber im Gegensatz zu den meisten anderen Kreisauern war er von Anfang an politisch orientiert. Er studierte in Heidelberg bis er 1923 im Fach Volkswirtschaft promovierte. Im Jahre 1920 trat er der SPD bei. Dort war er als Gewerkschaftsfunktionär tätig. 1930, also mit 33 Jahren, wurde er für die SPD in den Reichstag gewählt. Bereits im Jahre 1929 war er der Pressechef des hessischen Innenministers. Seine nazifeindlichen Publizierungen brachten ihn sehr schnell das Misstrauen der Rechten ein. Auch er musste, ähnlich wie Haubach, ab 1933 fünf Jahre lang Haftstrafen in Konzentrationslagern absitzen. Trotz der Gefahr erneut eingesperrt zu werden, nahm er nach seiner Entlassung im Januar 1938 sofort Kontakt zu seinen alten Freunden und Parteigenossen auf. Sein spezielles Aufgabengebiet im Kreisauer Kreis war die Ausarbeitung einer sozialpolitischen Reformplanung. Im Dezember 1943, am 04.12. um genau zu sein, wurde Carl Mierendorff das Opfer eines alliierten Luftangriffs auf Leipzig. Sein Ableben bedeutete für den Kreisauer Kreis einen herben Verlust. Um diesen Verlust zu kompensieren ernannte man Julius Leber als seinen Nachfolger. Dieser war, wie einige andere auch, über den Kreisauer Kreis hinaus im Widerstand tätig. Er sollte nach dem erfolgreichen Umsturz den Posten als Innenminister bekleiden und später sogar Reichskanzler werden. Geboren wurde Leber unter proletarischen Verhältnissen in Oberelsaß. Besonders sein ausgeprägter Wille und seine Entschlossenheit machten ihn für den Kreis wertvoll. Nach dem Abschluss seiner Realschule begann er eine kaufmännische Lehre, holte wenig später das Abitur nach und ging auf die Universität. Auch er nahm ab 1914 am Kriegsgeschehen teil, setzte aber danach sein Studium der Volkswirtschaft und der Geschichte weiter fort. 1920 promovierte er. Nach dem Ausscheiden aus dem Militär richtete Julius Leber sein Interesse vermehrt auf die Politik. Auch er wurde mit nur 32 Jahren im Mai 1924 in den Reichstag gewählt. Sein Streben galt stets einen militant-
-freiheitlichen Kurs der Sozialdemokratie. Durch die Politik lernte er auch seine spätere Ehefrau Annedore Rosenthal kennen, die ihm zwei Kinder gebar. Sein Entschluss zum Widerstand fiel 1933 nach der Machtergreifung, als er von SA Leuten angegriffen wurde und dadurch schwere Verletzungen erlitt. Am 5.3.1933 gelang es ihm erneut in den Reichstag gewählt zu werden. Wenig später, am 23.3., wurde er festgenommen und für vier Jahre in Gefängnissen und Konzentrationslagern eingesperrt. „Sechs Jahre Soldat, und nun wieder vier Jahre Uniform, das Jahrzehnt ist voll, das mir - einstweilen - das Schicksal als Sondersteuer auferlegt hat."6 Nach seiner Entlassung 1937 wurde er Teilhaber einer Kohlehandlung. Leber kam erst 1943 zum Kreisauer Kreis. Vereinzelt gab es Spannungen zwischen ihm und Moltke.
Harald Poelchau kam im Jahre 1941 zum Kreisauer Kreis. Er gehörte auch zu den wenigen Mitgliedern, die nach dem 20. Juli unentdeckt blieben. Durch seine Tätigkeit als Gefängnispfarrer konnte er seine inhaftierten Freunde in den Tod begleiten. Geboren wurde Poelchau als Sohn eines Pfarrers. Seit Juni 1933 war er der erste anerkannte NS-Seelsorger in staatlichen Gefängnissen.
Der Glaube bestimmte sein Leben und half ihm dabei, das Erlebte wie z.B. die vielen tausend Hinrichtungen bei denen er anwesend war, zu verarbeiten. Er war es auch, der bei der Hinrichtung der Roten Kapelle anwesend war. Kurz nach Harald Poelchau stieß Eugen Gerstenmaier zum Kreisauer Kreis. Er war neben Poelchau der zweite evangelische Theologe innerhalb des Kreises. Durch seinen außergewöhnlichen Scharfsinn trug er erheblich zur Ausarbeitung der Verfassungs- und außenpolitischen Planung des Kreises bei. Der eher konservativ eingestellte Gerstenmaier stand Yorck besonders nahe. Seine kirchliche Stellung ermöglichte es ihm, wichtige Kontakte im In- und Ausland herzustellen. Geboren wurde er als das erste von acht Kindern in Württemberg. Nach seiner Mittleren Reife arbeitete er als Kaufmann. Danach studierte Gerstenmaier evangelische Theologie und promovierte schließlich 1935 in Rostock. Zuvor (1934) kam er kurzzeitig in Haft, da er sich über die NS Kirchenpolitik abfällig geäußert hatte. 1936 wurde er in das kirchliche Außenamt nach Berlin berufen. Von hier aus konnte er viele für den Kreis später wichtige Kontakte knüpfen, vor allem aber nach Schweden. Seine Tätigkeit gestattete es ihm auch während des Krieges Reisen ins Ausland zu unternehmen. Neben Harald Poelchau gelang es auch Otto Heinrich von der Gablentz sich den Nachstellungen der Nazis nach dem 20. Juli 1944 zu entziehen. Dies lag vor allem daran, da er weder in das Attentat eingeweiht noch auf einer der Tagungen anwesend war. Gablentz war der Sohn eines Offiziers. Seine Mutter stammte aus einer Berliner Hugenottenfamilie. Auch er nahm am Ersten Weltkrieg teil. Sein Vater fiel 1916 bei Verdun und er selbst wurde 1917 schwer verletzt. Als er sich wieder erholt hatte, begann er mit dem Studium der Staatswissenschaften und promovierte 1920. Außerdem war er Angehöriger der Michelsbruderschaft und plädierte für den religiösen Sozialismus. Von 1931 bis 1933 war er Sachverständiger bei zahlreichen internationalen Konferenzen in Lausanne, Basel und London. 1934 wurde er aus dem Reichswirtschaftsministerium entlassen und war fortan in der Wirtschaftsgruppe Chemische Industrie bis 1945 tätig. Er kam 1940 zum Kreis und durfte sich durchaus zu den Kreisauern der ersten Stunde rechnen. Sein Beitrag lag vor allem in der Beteiligung an den theoretischen Debatten.
Theodor Steltzer nahm nie regelmäßig an den Treffen des Kreises teil. Das ist auf seine Tätigkeit als Offizier im Ausland zurückzuführen. Seine Beiträge lieferte er vor allem zu den Themen Staatsaufbau, Kirche und Kulturpolitik sowie europäische Einigung. Sein Handeln war aus christlicher Überzeugung heraus. Nach dem Umsturz war Steltzer für den Posten als Landesverweser von Schleswig Holstein vorgesehen. Zu seinen Vorbildern gehörten Stein, Hardenberg und Scharnhorst. 1885 wurde er in Trittau geboren. Nach einem Studium der Staatswissenschaften in München trat er den Dienst an der Waffe an und wurde Berufsoffizier. Bereits im Dezember 1914 wurde er schwer am Bein verletzt, was eine dauerhafte Verkürzung nach sich zog. Seit September 1920 war er für 13 Jahre lang Landrat im Kreis Rendsburg. Nach der Machtergreifung 1933 wurde er aus seinem Amt entlassen. Man warf ihm Hochverrat vor und er verbrachte die Folgezeit im Gefängnis, bevor das Verfahren Mangels Beweisen eingestellt wurde. Zwar wurde er rehabilitiert, fand aber trotz Bemühen keine Anstellung mehr im staatlichen Dienst. Ab 1939 war er im kirchlichen Sektor tätig. Zu Kriegsbeginn wurde er eingezogen und ab August 1940 als Transportoffizier in Oslo stationiert. Der Älteste unter den Kreisauern war Hans Lukaschek. Er trug maßgeblich zu den Verfassungs- und Verwaltungsplanungen des Kreises bei. Lukaschek wurde in Schlesien als Sohn eines Lehrers geboren und studierte von 1906 bis 1910 Rechts- und Staatswissenschaften. Auch er promovierte und begann danach eine juristische Laufbahn. 1927 wurde er zum Bürgermeister der Großstadt Hindenburg gewählt. Kurz nach 1933 wurde er aller seiner Ämter enthoben und lies sich schließlich 1934 als Anwalt in Breslau nieder. Er war innerhalb des Kreises für die territoriale und verfassungsmäßige Neuordnung zuständig. Nach 1944 war er als Landesverweser für Schlesien vorgesehen. Sein persönlicher Freund und Weggefährte Paulus van Husen kam 1941 zum Kreisauer Kreis. Van Husen kam mit Moltke über die schlesische Zentrumspartei in Kontakt. Sein Metier war die Klärung der Rechtsfragen sowie die Bestrafung der Kriegsverbrecher. So legte er 1943 auf der dritten Tagung seinen Entwurf zur Bestrafung der Rechtsschänder vor. Van Husen stammte aus einer Arztfamilie und auch er, wie viele andere des Kreises, hatte Rechts- und Staatswissenschaften studiert. Trotz seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg war er ein sehr gottesfürchtiger Mensch. Nach seinem Studium übernahm er 1921 das kommissarische Amt des Landrates in Rybnik. Van Husen war einer der wenigen, die der Judenverfolgung entschieden entgegentraten. Nach 1934 war er als Richter am preußischen Oberverwaltungsgericht in Berlin tätig. Er kam auf Bitten Moltkes 1942 in den Kreis. Besonders stark war er in die Attentatspläne von 1944 eingebunden. Er sollte danach als Staatssekretär des Reichsministerium fungieren.
Hans Peters war innerhalb des Kreises an der Ausarbeitung des Kulturprogrammes beteiligt und trug durch seine Betonung der christlichen Werte auch nachhaltig dazu bei. Er gehörte ebenfalls zu den Kreisauern der ersten Stunde. Peters war bereits seit 1940 im Kreise. Auch er nahm am Ersten Weltkrieg teil und vollendete nach 1918 sein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften. Von 1928 bis 1945 hatte er an der Berliner Friedrich- Wilhelms Universität die Professur inne. Bereits 1923 trat er in die Zentrumspartei ein. Von Anfang bis Ende 1933 war er für das Zentrum im preußischen Landtag aktiv. Peters arbeitete am Kultur- als auch am staatsrechtlichen Programm des Kreises mit. Ein weiteres wichtiges Mitglied für den Kreis war Augustin Rösch SJ, ein Jesuitenpfarrer aus München. Als Sohn eines Lokomotivführers wuchs er in Oberbayern auf und trat auf Drängen seiner Mutter hin dem Jesuitenorden bei. Auch er nahm am Ersten Weltkrieg teil und wurde mehrmals verwundet. 1925 wurde er zum Priester geweiht und erreichte wenig später den Doktor der Theologie. Bis zu seiner Verhaftung 1945 übte er sein Amt als Provinzial der Oberdeutschen Provinz der Gesellschaft Jesu aus. Rösch nahm an vielen Besprechungen sowie an einer Tagung teil und war an der Ausformung des Kirchen- und Kulturprogrammes beteiligt. Im Jahre 1942 kam Lothar König SJ zum Kreisauer Kreis. König gehörte zu den wenigen Mitgliedern, die das Attentat auf Hitler als völlig legitim betrachteten. Daher war er auch in die Umsturzpläne eingeweiht. Er war Sohn eines Stuttgarter Kaufmanns der bereits 1914 im Krieg fiel. Königs geistige Prägung rührt von der katholischen Jugendbewegung her. Die Folge dieser Prägung war 1924 der Beginn eines Noviziats im Jesuitenorden gefolgt von einer philosophisch- theologischen Ordensausbildung. Danach studierte er bis 1935 in München Naturwissenschaft und erhielt 1936 die Priesterweihe.
"Wenn man will, kann man alles"7 war sein Motto. Seine Aufgabe war vor allem die Überbringung von Nachrichten innerhalb und außerhalb des Kreises. Im Kreisauer Kreis schätzte man vor allem sein unvergleichliches Organisationstalent. Der katholische Soziologe Alfred Delp kam über Rösch in den Kreis. Delp verstand sich sowohl mit den Protestanten als auch mit den Sozialisten des Kreises. Er war das Älteste von sechs Kindern und wuchs zusammen mit seinem Vater, einem Kaufmann, und seiner Mutter in Lampertheim auf. Im Jahre 1921 wechselte er die Konfession und wurde katholisch. Nach dem Abschluss an einem humanistischen Gymnasium in Dieburg trat er in den Jesuitenorden ein. 1937 erhielt er ebenfalls in München die Priesterweihe. Davor hatte er bereits erfolgreich Theologie und Philosophie studiert. Auch an den Neuordnungsplänen des Kreises war Delp beteiligt, besonders an den Themen Bauerntum und Arbeiterfragen. Viele seiner Ideen wurden von den Kreisauern direkt in das Programm übernommen.
Die Struktur
Man kann sich die Struktur des Kreises als einen Hauptkreis mit mehreren Unterkreisen vorstellen. Der Kreis ließ sich in vier Mitgliedsgruppen unterteilen. 1. Die adelige Kerngruppe. Sie bestand aus Moltke, Yorck, Trott, Trotha, Einsiedel, und Haeften. 2. Die sozialistische Gruppe bestand aus Reichwein, Mierendorff, Haubach und Leber. Der dritten Gruppe, der evangelischen Gruppe gehörte die Mehrheit der Kreisauer an, was auch die übrigen Mitglieder stark prägte. Namentlich verbürgt sind Poelchau, Gerstenmaier, Gablentz und Steltzer. Die vierte und letzte Gruppe war die katholische Gruppe. Ihr gehörten die drei Ordenspriester Rösch, König und Delp an. Weitere Mitglieder waren Lukaschek, van Husen und Peters, die ebenfalls der katholischen Zentrumspartei angehörten. Sie wird auch als einheitlichste und geschlossenste Gruppe innerhalb des Kreises bezeichnet. Außerdem hatte der Kreis viele Sympathisanten und Förderer, obgleich man diese nicht zu den Aktivisten zählen darf. Einige Beispiele hierfür sind Freya von Moltke, Margarete von Trotha, Marion Yorck, Katharine Breslauer (die Sekretärin Moltkes), Maria Krause (die Haushälterin Yorcks) und Luise Oestreicher, die Sekretärin Delps. Dies zeigt, dass auch Frauen ihren Beitrag zum Widerstand leisteten.
Gedankliche Ursprünge
Innerhalb des Kreises flossen kulturelle, politische, soziale und geistige Strömungen der verschiedensten Arten zusammen. Viele der genannten Mitglieder nahmen am Ersten Weltkrieg teil. Dieser bedeutete selbst für die, die nicht teilnahmen, einen starken Einschnitt. Die damalige Jugendbewegung folgte vor allem Zielen wie Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und innerer Freiheit so wie Wahrhaftigkeit. Nach diesen Richtlinien sollte eine Veränderung Deutschlands vor sich gehen. Betrachtet man den Neuordnungsplan der Kreisauer genauer, so erkennt man in ihm viele Übereinstimmungen mit den Zielen der Jugendbewegung. In der schlesischen Arbeitslagerbewegung verbanden sich der Schwung wie auch die Ideale der Jugendbewegung mit den konkreten politischen Anliegen die sozialen Missstände sowie die Klassengegensätze zu überwinden.
Ausgangspunkt hierfür war die Universität in Breslau. In den Arbeitslagern wurden Studenten, Arbeiter und Jungbauern zusammengeführt. Der Sinn dieser Treffen lag darin, den verschiedenen Schichten und Parteigruppen das Bewusstsein der gemeinsamen Verantwortung für die Gesamtheit des Volkes zu vermitteln. Der hier aufkommende religiöse Sozialismus versuchte die herrschenden Gegensätze zwischen Sozialismus und Christentum zu überwinden und beide Strömungen zu einer gemeinsamen Einheit zu verschmelzen. Bis zu seiner Emigration im Jahre 1933 war der Theologe Paul Tillich der führende Kopf dieser Bewegung. Acht spätere Mitglieder des Kreises, nämlich Reichwein, Haubach, Mierendorff, Poelchau, Trott, Gablentz, Trotha und Einsiedel wurden von dieser Bewegung mitgerissen. Daher war es auch ein Grundzug des Kreisauer Neuordnungsprogrammes den Ausgleich zwischen christlichen und sozialistischen Ethos herbeizuführen.
Die zunehmende Auseinandersetzung der katholischen Kirche mit der sozialen Frage, hatte eine steigende Aufgeschlossenheit des sozialistischen Lagers zur Folge. Hierbei leisteten die Jesuiten wichtige Vorarbeit. Die wachsende ökumenische Einheitsbewegung der Kirchen untereinander, die zum Abbau alter Gegensätze führte, ebnete auch den Weg für die Zusammenarbeit beider Konfessionen innerhalb des Kreisauer Kreises. Viele spätere Kontakte des Kreises wurzelten in der ökumenischen Bewegung. Auch das preußisch konservative Reformertum fand in den Ideen von Freiherr von Stein Einzug in das Kreisauer Programm. Sie wurden einheitlich von den Kreisauern fast 100 Jahre nach Steins Tod wieder aufgegriffen. Besonders früh waren die Sozialdemokraten des Kreises im Kampf gegen den Nationalsozialismus tätig. Besonders Leber, Mierendorff und Reichwein traten durch Propagandaaktionen und öffentliche Reden hervor. Im Februar 1931 gelang es Mierendorff Joseph Goebbels vor dem Reichstag bloßzustellen, wodurch er sich die Achtung und das Vertrauen vieler Mitstreiter sicherte. Im Kampf gegen den Nationalsozialismus gab es vor allem eine Gruppierung, die sogenannte Eiserne Front. Durch sie gelang es den Gewerkschaften die Nazis zeitweise, jedoch nicht auf Dauer aufzuhalten. Was nach der Machtergreifung erfolgte, waren langjährige Haftstrafen sowie Konzentrationslageraufenthalte für die Aktivisten.
Die Planungen und Ziele des Kreisauer Kreises
Die Reformpläne der späteren Mitglieder des Kreises zielten darauf ab, die
Nachteile des Parteienstaates zu beseitigen, schließlich hatte man aus den
Fehlern der Weimarer Republik gelernt. Weiteres Ziel war die Annäherung der
Arbeiterschaft an den Staat, sowie die gemeinsame Gründung eines Fundamentes
zwischen Reichswehr, Arbeiterschaft und Republik. Des Weiteren sollte eine
Änderung des Wählrechts erfolgen. Hierbei zog man das Mehrheitswahlrecht dem
Verhältnisswahlrecht vor. Diese Idee ging direkt in das Neuordnungsprogramm des
Kreises mit ein.
Das Bemerkenswerteste an der Arbeit des Kreisauer Kreises waren die Planungen
sowie die Entwürfe zu einer kompletten Neuordnung Deutschlands. Beeindruckend
ist die besondere Ausrichtung der Pläne. Die Mitglieder gingen dabei äußerst
weit denkend und gewissenhaft vor.
Ihnen war klar, dass es nicht nur das Ziel war, das Regime abzuschaffen, sondern
Deutschland danach nach christlich sozialdemokratischen Gesichtspunkten
umzustrukturieren. Ihre Motivation war der Gedanke, ihr Werkzeug der Wille.
Daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass fast alles darauf hinauslief, das
deutsche Volk auf eine geistige Erneuerung vorzubereiten.
„Wir können nur dann erwarten, unser Volk dazu zu bringen, diese Herrschaft
von Furcht und Schrecken zu stürzen,[...] wenn wir imstande sind, ihm ein Bild
zu zeigen jenseits der schrecklichen und hoffnungslosen nächsten Zukunft.. Ein
Bild, wonach zu streben, wofür zu arbeiten, woran zu glauben, wofür neu zu
beginnen, sich für das enttäuschte Volk lohnt."8
Die Kreisauer versuchten alle wichtigen kulturellen, religiösen,
wirtschaftlichen, rechtlichen und politischen Fragen zu erkennen, diese zu lösen
und die erarbeiteten Ergebnisse der Regierung nach Hitler zur Verfügung zu
stellen. Dabei ging es nicht um eine Renaissance der Weimarer Republik, sondern
um tiefgreifende Neuerungen wie zum Beispiel die Neueinführung der
demokratischen Formen auf dem Boden des Christentums. In vielen Kernpunkten
waren sich die Kreisauer durchaus einig, aber nicht in allen. Dies ist auf die
vielfältigen Ansichten und allgemein auf das unterschiedliche Gedankengut der
einzelnen Mitglieder zurückzuführen welches eine einheitliche Neuregelung nahezu
ausschloß. Dieses Nebeneinander der verschiedenen geistlichen Strömungen
erschwerte die eindeutige Zuordnung der Kreisauer in ein politisches Lager.
Bemerkenswert ist das trotz dieser teils extremen Gegensätze doch Lösungen
gefunden wurden, die kollektiv Anerkennung fanden. Die Planungen des Kreisauer
Kreises gelten zurecht als der besondere Beitrag dieser Gruppe zum deutschen
Widerstand.
Die ersten Anfänge
Für die meisten späteren Mitglieder waren es dieselben Beweggründe, die sie in
den Widerstand führten. Zum einen war es die rücksichtslose Aggressionspolitik
Hitlers zum Beispiel gegenüber der Tschechei und die Verfolgung von Minderheiten
wie sie am Beispiel der Juden sehr gut zu erkennen war. Yorck, der 1938/39 die
Tschechei öfters bereiste, konnte sich von den Ausmaßen der Terrorpolitik ein
ganz persönliches Bild machen. „Dem muss baldigst entgegengetreten werden."9
So begann Yorck bereits Ende 1938 Gleichgesinnte um sich zu sammeln. Diese
Gruppierung ist als Vorreiter des Kreisauer Kreises anzusehen. Sie existierte
bis ins Frühjahr 1940, danach machten es die Kriegsverpflichtungen der Einzelnen
unmöglich, sich an geregelten Treffen zu partizipieren. Bereits im Januar 1940
kam es zum ersten Treffen zwischen Moltke und Yorck, dem ein immer enger
werdender Briefwechsel folgte. „Das Ziel müsse es sein, nach dem Sturz des
Nationalsozialismus einen wirklich ‚gerechten Staat‘ zu schaffen, dessen
‚Gerechtigkeit darin bestünde‘, daß im Rahmen des Staatsganzen ein jeder sich
voll entfalten und entwickeln könnte."10 Die Arbeitsstruktur
glich der einer konspirativen Vereinigung, so kam es auch, dass nur Yorck und
Moltke über alle Einzelheiten unterrichtet waren. Die Arbeit wurde stets in
kleine Fachkreise untergliedert um bei einer Entdeckung nicht den gesamten Kreis
zu gefährden. Aus demselben Grund gab es auch keine Namenslisten.
Die Haupttagungen des Kreises
Die erste Tagung fand vom 22. bis zum 25. Mai im Jahre 1942 statt. Es wurden vor
allem Themen wie die Verhältnisse zwischen Staat und Kirche diskutiert, sowie
das Thema der Bildungsfragen.
Die zweite Tagung fand vom 16. bis zum 18. Oktober 1942 statt. Diesmal wurden
die beiden Themen Verfassungsaufbau sowie Wirtschaftsordnung angesprochen.
Bei der dritten und letzten Tagung vom 12. bis zum 14. Juni 1943 ging es vor
allem um die künftige Außenpolitik, die Internationale Wirtschaftsordnung nach
dem Krieg und die Bestrafung der Kriegsverbrecher. Zu den jeweiligen Themen
referierten immer bestimmte Mitglieder, die mit der Ausarbeitung der einzelnen
Themen betraut wurden. Während der Tagungen wurden die meisten Gäste im Hauptgut
Moltkes untergebracht, während die Sitzungen selbst im Berghaus Moltkes
stattfanden, welches sich abseits der Gutsanlage befand.
Die Nachordnungspläne
Der Staatsaufbau sollte sich von unten nach oben erstrecken. Dabei spielte man
mit dem Gedanken einer politischen Dezentralisierung um eine Machtbündelung zu
vermeiden. Alle Entwürfe hatten die Stein´schen Reformen als Vorbild, welche
auch die Voraussetzung für die späteren Entwürfe bildeten. Der
Verfassungsentwurf sah die Gliederung des Staatswesens in vier verschiedene
Ebenen vor: Gemeinde, Kreis, Land und Reich. Der Aufbau selbst sollte unter
starker Föderalisierung den Grundsätzen der Subsidiarität und der
Selbstverwaltung geschehen. Der umstrittenste Punkt der Neuordnung war die
Wirtschafts- und Sozialordnung. Die Wirtschaft sollte das zentrale Mittel zur
menschlichen Lebensgestaltung darstellen und darüber hinaus zur Ordnung
innerhalb der gesellschaftlichen Verhältnisse beitragen. Moltkes Grundsatz
„Der Staat ist der uneingeschränkte Herr der Wirtschaft"11
stieß bei den anderen Mitgliedern auf wenig Verständnis. Im Gegensatz dazu wurde
man sich bei den Agrarfragen verhältnismäßig schnell einig. Da eine gesunde
Gesellschaft eine gesunde Landwirtschaft voraussetzt, hielt man es für
unumgänglich den bäuerlichen Mittelstand zu stärken. Da die geistige
Umstrukturierung und Neuerung eines der Hauptmotive der Kreises war, wurde ihm
auch dementsprechende Aufmerksamkeit gewidmet. So wollte man bereits die Jugend
von Anfang an, an dieses Thema heranführen. Das hatte zur Folge, dass man eine
komplette Neuordnung des Erziehungssystems anstrebte. Zudem musste die Kirche
alle Rechte wiederbekommen, die ihr zuvor der Staat genommen hatte. Darüber
hinaus sollte die Stellung der Kirche als moralische Instanz fest in der
Gesellschaft verankert werden. Zwischen Kirche und Staat sollte ein freundliches
Einvernehmen herrschen, da der Kirche erstmals das Recht zuteil werden sollte,
aktiv die öffentliche Lebensgestaltung mit zu beeinflussen. Hierbei hoffte man
auf den Zusammenschluss der unterschiedlichen Konfessionen zu einer deutschen
Christenheit.
Im Gegensatz zum Grundschulwesen sah man für das Hochschulwesen einige
tiefgreifende Veränderung vor. So sollte sich der Bereich der höheren Studien
auf zwei Ebenen erstrecken:
Zum einen auf Hochschulen und zum anderen auf Reichsuniversitäten, wobei diese
für die höchste universelle Bildung standen. Nach dem Prinzip der Elitenbildung
durften die Reichsuniversitäten nur geistig hervorragenden Persönlichkeiten
zugänglich sein. Was die Bestrafung der Kriegsverbrecher betraf, so verfolgten
die Kreisauer eine harte aber in ihren Augen gerechte Politik. So sollten die
Verbrecher, die von ihnen begangenen Verbrechen durch Blutschuld bezahlen. Die
Entwürfe hierfür reichte Paulus van Husen während der dritten Sitzung am 14.
Juni 1943 ein. Dabei ging es nicht nur um Bestrafung sondern auch um die
Wiedergutmachung bei den Opfern.
Die territoriale Neugliederung
Da die bisherigen Bundesländer dem Kreisauer Kreis noch viel zu unübersichtlich
waren, beschloss man im Rahmen der territorialen Neugliederung die größten
Bundesländer aus verwaltungstechnischen Gründen einfach zu verkleinern bzw. zu
teilen. Auf diese Weise sollten etwa zwanzig neue Bundesländer entstehen.
Interessanter Weise erstreckt sich dieser Plan auch über die im Krieg eroberten
bzw. annektierten Gebiete. Direkt nach dem Umsturz sollten in allen Ländern die
vom Kreis auserwählten Landesverweser die Macht übernehmen und die Neuordnung
nach vereinbarten Gesichtspunkten durchführen. Dafür vorgesehen waren teilweise
Mitglieder des Kreises als auch nahestehende Personen. Diese wären im Falle des
Umsturzes mit außergewöhnlichen Vollmachten ausgestattet gewesen.
Das Bestreben des Kreisauer Kreises galt seit jeher der Überwindung der alten
Rivalitäten zwischen Deutschland und seinen Nachbarstaaten. Daraus sollte dann
ein gerechter Ausgleich zwischen den europäischen Völkern entstehen, der einen
dauerhaften Frieden garantieren sollte. Dabei dachte man an ein föderalistisches
Staatenmodell, ähnlich dem der heutigen USA, aber mit einer einheitlichen
europäischen Regierung. Den Hauptteil dieses Europaprogramms entwarf Moltke
selbst. So war er es auch, der eher für ein Europa als Bundesstaat mit
einheitlicher Souveränität plädierte, anstatt Europa in Form eines
Staatenbundes den Vorzug zu geben. Diesbezüglich kam es jedoch zu keiner festen
Einigung.
Die Verbindungen des Kreisauer Kreises
Nach dem Umsturz sollte Deutschland sowohl von Personen aus dem kirchlichen
Bereich als auch aus der Arbeiterschicht regiert werden. Daher pflegte der
Kreisauer Kreis nur Kontakt zu wenigen, auserwählten Personen bei denen man sich
sicher sein konnte, dass sie eine breite Masse der Bevölkerung hinter sich
hatten.
Verbindungen zur Kirche
Am unkompliziertesten erwies sich hierbei die Kontaktaufnahme zur Kirche, da sie
größtenteils gegen Hitler war. Die wichtigste Verbindung in diesem Bereich war
die zum Erzbischof von München, Michael Kardinal von Faulhaber und zum Berliner
Bischof Graf von Preysing.
Beiden waren die Neuordnungspläne des Kreisauer Kreises bekannt. Es bestanden
darüber hinaus Kontakte zum Fuldaer Bischof Johannes B. Dietz, zum Bischof von
Münster, Clemens August Graf von Galen, zum Vorsitzenden der Fuldaer
Bischofskonferenz, Adolf Kardinal Bertram, zum Vertreter des Episkopats bei der
Regierung in Berlin, Bischof Heinrich Wienken, zum Erzbischof von Freising,
Konrad Gröber und auch zu Andreas Rohracher, dem Erzbischof von Salzburg. Da die
genannten Personen sich nicht einheitlich auf das Neuordnungsprogramm des
Kreises einigen konnten, gab es keine kirchenamtliche Billigung des Programmes.
Bei dem Grundanliegen, nämlich der Überwindung des Nationalsozialismus sowie der
Schaffung eines neuen, gerechteren Ordnungssystems war bei den Kirchen jederzeit
rückhaltlose Unterstützung zu finden. Das erste Treffen zwischen Moltke und
Faulhaber kam im Januar 1943 zustande. Der Kontakt zu Bischof Preysing bestand
bereits länger und wurde auch regelmäßig in Form von Treffen und Absprachen
gepflegt. Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass man Preysing
manchmal zum äußeren Ring des Kreisauer Kreises zählt, da kein anderer
Kirchenführer mit dem Kreis so eng im Kontakt stand. Im Frühjahr 1943 gelang es
Eugen Gerstenmaier Kontakt zum Privatsekretär des Papstes aufzunehmen. Dieser
Kontakt hatte aber mehr symbolischen als praktischen Nutzen. Gerstenmaier gelang
es im Juni 1942 den Kontakt zwischen Moltke und dem lutherischen Landesbischof
von Württemberg, Theophil Wurm herzustellen. Wurm entwickelte sich daraufhin
schnell zum führenden Mann der bekennenden Kirche und unterhielt darüber hinaus
noch Verbindungen zum Goerdeler Kreis. Im Gegensatz dazu beteiligten sich aus
der evangelische Kirche nur einzelne Personen wie Dietrich Bonhoeffer am
Widerstand.
Die Arbeiterschaft
Hier ein geeignetes Netz aufzubauen erwies sich als äußerst schwierig, da die
Nationalsozialisten die SPD und die freien Gewerkschaften zerschlagen hatten.
Daher galt es Arbeitsführer ausfindig zu machen, die noch aus der Zeit vor 1933
einen hohen Bekanntheitsgrad innehatten. Man erhoffte sich, dass die meisten
Mitglieder der Arbeiterklasse sich mit einer solchen Person identifizieren
könnten und dementsprechend im Falle des Umsturzes sich solidarisch mit den
Umstürzlern stellen würden. Innerhalb des Kreises gab es drei Personen auf die
diese Eigenschaften zutrafen nämlich Mierendorff, Haubach und Leber. Diese drei
standen auch in Kontakt mit anderen im Untergrund aktiven Gewerkschaftsführern
wie Wilhelm Leuscher.
Die katholische Gewerkschaftsbewegung
Dem Kreisauer Kreis gelang es, eine Verbindung zu Jakob Kaiser, dem Vertreter
der christlichen Gewerkschaften in Berlin herzustellen. Die Kontaktaufnahme
erfolgte durch Delp im Jahre 1942. Dieser stellte auch den Kontakt zum Zentrum
der katholischen Arbeiterschaft in Westdeutschland her. Daraufhin folgten
verschiedene Treffen in Köln, München, Berlin und Fulda bei denen Themen wie die
personelle Frage bei der künftigen Regierungsbildung behandelt wurden. Hierbei
tat sich vor allem der Kölner Arbeiterführer Bernhard Letterhaus hervor, der
auch mit dem Goerdeler Kreis in Verbindung stand.
Der Goerdeler Kreis
Carl Friedrich Goerdeler war nach der Machtergreifung 1933 noch als
Bürgermeister von Leipzig tätig bevor er sich 1937 aus der Politik zurückzog um
sich fortan dem zivilen Widerstand gegen das Regime zu widmen. So gelang es ihm
schnell eine kleine Anzahl an Gleichgesinnten um sich zu scharen und gemeinsam
aktiv gegen das Regime anzutreten. Zwischen dem Goerdeler Kreis und dem
Kreisauer Kreis gab es häufig Spannungen, da sich Moltke und Goerdeler nicht
besonders gut verstanden. Was aber die territoriale Neugliederung und die
Verfassungsplanungen des Reichs betraf, so herrschte hier weitestgehend
Einvernehmen zwischen den beiden Gruppen. Uneinigkeit herrschte vor allem in den
Fragen der Sozial- und Wirtschaftsordnung, wobei man sagen kann, dass der
Hauptkern der Differenzen in den unterschiedlichen Denkansätzen beider Gruppen
lag. Während die Kreisauer mehr nach den moralischen Aspekten eine Neuerung
Deutschlands und dabei innen- und außenpolitisch neue Wege anstrebten, standen
bei der Goerdeler Gruppe mehr pragmatisch politische Interessen im Vordergrund.
„Er sah vielmehr eine noch immer genügend große, wenn auch durch den
Nationalsozialismus ‚planmäßig verschüttete‘ seelisch-moralische Kraft im
deutschen Volke, die es nur von neuem freizulegen gelte."12 Sein
Bestreben galt mehr der Anknüpfung an konservative Werte wie die des
Kaiserreiches. Am 8.01.1943 kam es zum Treffen zwischen den beiden
Widerstandsgruppen in der Wohnung Yorcks in der Hortensienstraße. Die einzige
Einigung, die bei diesem Treffen erzielt werden konnte, war dass der
Staatsstreich so schnell wie möglich erfolgen sollte. Dabei erkannten die
Kreisauer Goerdeler als vorübergehenden Reichskanzler an.
Weitere Kontakte zum aktiven Widerstand
Einen sehr engen Kontakt pflegten die Kreisauer zu Franz Sperr und seiner
Widerstandsgruppe, den sogenannten Sperr-Kreis. Auch dieser Kontakt
wurde durch Delp im Jahre 1942 hergestellt. Weitere bedeutende Mitglieder des
Sperr-Kreises waren Franz Reisert ein Augsburger Rechtsanwalt und Joseph Ernst
Fürst Fugger von Glött. Das Primärziel des Sperr-Kreises war die Bildung von
Widerstandszellen um direkt nach dem Umsturz zur Verantwortungsübernahme bereit
zustehen.
Bemerkenswert ist auch der hohe Grad der Übereinstimmung zwischen den beiden
Gruppen, lediglich die Teilung Bayerns wurde strikt abgelehnt. Nach dem Attentat
vom 20. Juli 1944 wurde Franz Sperr hingerichtet, seine Mitstreiter bekamen
lange Haftstrafen. Ein weiterer Gewinn für den Kreisauer Kreis war der Kontakt
zu dem stark kirchlich geprägten Freiburger Kreis. Dieser bestand
hauptsächlich aus Akademikern, Theologen und Volkswirtschaftlern die auf die
wirtschaftspolitischen Planungen der Kreisauer direkten Einfluss hatten. Trotz
des Kontaktes zu den Kreisauern war die Beziehung des Freiburger Kreises zu der
Goerdeler Gruppe wesentlich enger.
Selbst zur Weißen Rose in München gab es Beziehungen, obgleich diese mehr
indirekter Natur waren, da man sich nur über Freunde kannte. Dennoch schmuggelte
Moltke das letzte Flugblatt der Weißen Rose nach Norwegen, wo es veröffentlicht
wurde. Auf Umwegen gelangte es von dort nach England, wo es wiederum publiziert
und in Form von Flugblättern über Deutschland abgeworfen wurde.
Die Militäropposition
Selbst im Militärkreisen gab es Personen, die mit dem Kreisauer Kreis
sympathisierten, so wie Ulrich Wilhelm Graf von Schwerin-Schwanenfeld, der als
eine Art Vermittler zwischen dem militärischen und dem zivilen Widerstand galt.
Auch Ludwig Beck gehörte dem militärischen Widerstand an. Er war ebenfalls
Militärangehöriger, ebenso wie die Gebrüder Stauffenberg. Berthold und Claus
Stauffenberg waren bereits länger im Widerstand tätig, wobei Moltke und Yorck
zu Berthold schon seit längerer Zeit Kontakt hatten. Ab dem Herbst 1943, bedingt
durch Claus seine neue Stellung als Stabschef, ergab sich ein intensiverer
Austausch zwischen den Gebrüdern Stauffenberg und dem Kreisauer Kreis. Claus
besuchte fortan regelmäßig die Besprechungen des Kreises in der
Hortensienstraße. Darüber hinaus stellte er sich als Attentäter zur Verfügung,
während Moltke entschieden gegen das Attentat war.
Die Verbindungen ins Ausland
Das größte Interesse der Kreisauer galt der Kontaktaufnahme nach England und in
die USA, wobei man davon ausging, dass man zumindest von Seiten der Amerikaner
her Unterstützung im Kampf gegen das Hitlerregime erhalten würde. Dies geschah
jedoch nicht, da diese zwischen Deutschen und Nazis keinen Unterschied sahen.
Einer der wichtigsten Kontakte nach England führte zu Lionel Curtis, mit dem
Moltke schon seit langem befreundet war. Curtis war Mitbegründer und Leiter des
Royal Institute of International Affairs und hatte somit Einfluss auf die
britische Außenpolitik. Ihm zur Seite standen wichtige Personen wie der
britische Botschafter in Washington Philip Kerr Marquess of Lothian, der
Historiker Michael Balfour und dessen Freund Julian Frisby, ebenso wie Waldorf
Viscount Astor und sein Sohn David Astor. Auch Trott besaß einflussreiche
Freunde in England. Zu ihnen zählte der ehemalige Labour Politiker Sir Stafford
Gripps, der zum sogenannten War Cabinet Churchils gehörte. Im kirchlichen
Bereich fanden die Kreisauer vor allem in Bischof George Bell von Chichester
einen Verbündeten, der davor warnte alle Deutschen mit Hitler gleichzusetzen.
Bedauerlicherweise hielten die Alliierten eine Widerstandsbewegung gegen Hitler
innerhalb Deutschlands für eine Finte der Nazis, oder aber sie verschwiegen sie
bewusst.
Kontakte in die Schweiz
Die in Genf ansässige Zentrale des Ökumenischen Rates der Kirchen war der
wichtigste Anlaufpunkt für den Kreisauer Kreis, wenn es darum ging Nachrichten
zu den Alliierten zu schmuggeln. Selbst der amerikanische Geheimdienst hatte
eine Zentrale in der Schweiz um über den deutschen Widerstand kriegswichtige
Informationen zu erhalten. Die Kreisauer bemühten sich jedoch erfolglos um eine
intensivere Beziehung zu den Amerikanern, diese waren aber nicht an einer
gemeinsamen Zusammenarbeit interessiert sondern nur an Informationen.
Auch die Engländer maßen dem Kreis kaum Bedeutung zu, da man Zweifel an seiner
Glaubwürdigkeit hatte und um darüber hinaus nicht das Verhältnis mit den
Amerikanern zu gefährden. Auch die Beziehungen zu den Russen wären durch den
Kontakt gefährdet worden, da der Kreis nach außen hin als anti-russisch auftrat.
Verbindungen nach Schweden
Im neutralen Schweden war es wieder das Zentrum der ökumenischen Bewegung, welches seinen Sitz in Sigtuna hatte, das für die Kreisauer von höchster Bedeutung war. Hier wurden über den Leiter des Zentrums Harry Johansson Kontakte nach England und Amerika hergestellt. Am 31. Mai 1942 kam es in Sigtuna zu dem wichtigsten Treffen zwischen Vertretern des deutschen Widerstandes und Vertretern der Westmächte. Aus dem Kreisauer Kreis waren Dietrich Bonhoeffer und Hans Schönfeld anwesend, während die Westmächte durch Bischof Bell vertreten wurden. Der Bischof wurde instruiert sich schnellstmöglich an die britische und amerikanische Regierung zu wenden um eine Kooperation mit dem Widerstand zu erwirken. Doch wie die vorherigen Versuche stieß auch dieser auf wenig Interesse bei den Westmächten. Auch die Kontaktaufnahme zum englischen Geheimdienst MI5 blieb ergebnislos. Die Kontaktaufnahme zu Vertretern der Sowjetunion scheiterte an Sicherheitsmängeln.
Verbindungen nach Norwegen
Für die Verbindungen nach Norwegen war Theodor Steltzer zuständig, da er sich als Generalstabsoffizier in Oslo frei bewegen konnte ohne Verdacht zu erregen. Als eine der wichtigsten Verbindung zählt die zu dem in Oslo lebenden deutschen Kaufmann Wolfgang Geldmacher. Dieser stellte sein Haus als Versammlungsort für die konspirativen Treffen des deutschen Widerstandes zur Verfügung. Ein weiterer bedeutender Kontakt war der zum Bischof von Oslo, Einvind Berggrav, der zugleich Primas der norwegischen Kirche war. Über ihn ließen sich problemlos weitere wichtige Kontakte herstellen. Darüber hinaus gelang es Steltzer weitere wichtige Kontakte zu knüpfen wie zum Beispiel zu dem Soziologen Arvid Brodersen und zu dem Politiker Johan H. Andresen.
Die meisten Treffen fanden in Andrersens Villa Smedbrâten statt. Durch Steltzers Einfluss gelang es auch die zeitweiligen Haftstrafen der Einzelnen enorm zu mindern. Durch diese hervorragende Zusammenarbeit kam es schließlich 1944 zu einem persönlichen Treffen zwischen Steltzer und dem Leiter der Militärorganisation des norwegischen Widerstandes, Jens Christian Hauge.
Weitere Kontakte des Kreises ins Ausland
Im Sommer 1943 erfolgte zum ersten Mal die Kontaktaufnahme zu den Amerikanern über die Türkei. Ziel war es Kontakt zu Alexander Kirck, dem Ex US Geschäftsträger in Berlin, aufzunehmen.
Im Januar 1944 unternahm Moltke eine Reise nach Istanbul, um mit Kirck zusammenzutreffen. Das Treffen scheiterte jedoch. Nach Dänemark gab es nur losen Kontakt in Form einer ehemaligen Studienkollegin Moltkes. Merete Bonnesen versuchte für die Kreisauer Kontakte zu dänischen Politikern herzustellen. Auch in den Niederlanden war es ein Bekannter Moltkes, der dem Kreis seine Dienste anbot. Hans Wolf von Görschen, Geschäftsmann in Den Haag, übernahm hauptsächlich Kurierdienste für die Kreisauer, war aber gelegentlich auch als Vermittler tätig. Er wurde am 5.12.1944 festgenommen und nach Deutschland gebracht, wo man ihn im April 1945 hinrichtete. Sehr zum Bedauern der Kreisauer kam keine Zusammenarbeit mit der Resistance in Frankreich zustande. Dafür vermittelte der Kriegsoberverwaltungsrat in Lille, Carlo Schmid, einige Treffen zwischen Vertretern des christlich französischen Widerstandes und Abgesandten des Kreisauer Kreises. Die Kontakte nach Belgien beschränkten sich auf den Militärbefehlshaber Alexander Freiherr von Falkenhausen, der wiederum Kontakte zum belgischen Widerstand hatte. Da Falkenhausens Kontakt zu Moltke sehr eng war, wurde er auch in die meisten der Pläne eingeweiht, so auch in die angestrebte territoriale Neugliederung. Nach dem Umsturzversuch 1944 wurde er zwar verhaftet, kam aber nach längerer Zeit wieder frei. Fritz Christiansen-Weniger gilt als Ansprechpartner der Kreisauer in Polen. Dort war er Leiter der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Pulawy. Im April 1943 vermittelte er ein Treffen zwischen Moltke und dem Bischof von Krakau, Adam Prinz Sapieha. Fritz Christiansen-Weniger zählt zu den wenigen Glücklichen, die nach dem 20. Juli 1944 der Gestapo verborgen blieben.
Das Attentat vom 20. Juli 1944
Nach der Verhaftung Moltkes am 19. Januar 1944 begann der Kreisauer Kreis immer mehr auseinander zufallen. Die meisten Mitglieder schlossen sich Stauffenberg und Schulenberg an. Man könnte sagen, dass es „...damals keinen Kreisauer Kreis mehr gab, sondern nur noch Kreisauer."13 da aus Angst vor der Enttarnung kein Kontakt mehr zu den übrigen Mitgliedern gehalten wurde. Dennoch blieben einige Mitglieder dem Kreis treu. „Die gemeinsame Arbeit hörte damals nicht auf, aber sie ist sehr wohl durch die nun immer engere Zusammenarbeit mit Stauffenberg in eine neues Stadium getreten."14
Das Auseinanderfallen des Kreises ist auch auf die durch äußere Umstände immer schwieriger werdende Kommunikation untereinander zurückzuführen. So kam es auch, dass die Verbindung nach München fast komplett abriss.
Nach der Verhaftung Moltkes übernahm Yorck die Führung. Der Grund der Verhaftung war verhältnismäßig gering im Anbetracht der Lage. Moltke hatte seinen Freund Otto Carl Kiep gewarnt, dass man beabsichtige ihn wegen regimefeindlicher Äußerungen zu verhaften. Die Warnung wurde aber vom Sicherheitsdienst abgefangen und Moltke als „...pflichtvergessener Beamter..."15 im KZ Ravensbrück inhaftiert. Kiep wurde kurz darauf hingerichtet, während Moltkes Wirken im Widerstand zunächst noch verborgen blieb. Die Haltungen innerhalb des Kreises gegenüber dem Attentat waren sehr verschieden. So war man sich einig, dass ein Mord niemals eine gute Grundlage für einen Neunanfang sei. Viel lieber wollte man Hitler mitsamt seinen Helfern einsperren und ihnen dann den Prozess machen, darin war man sich einig. Da dies aber kaum machbar war, erwägte man schließlich doch den Attentatsplan in Betracht zu ziehen.
Vor allem die Geistlichen innerhalb des Kreises konnten sich mit dem Attentatsplan aus ethisch- -moralischen Gründen nicht anfreunden. Man kann also sagen der Kreis war bezüglich dieser Frage in zwei Lager gespalten. Moltke, Yorck, Haeften, Einsiedel, Reichwein, Haubach, Mierendorff, Gablentz, Steltzer, Rösch und Lukaschek lehnten das Attentat ab, Trott, Gerstenmaier, Leber, Peters, Delp und König galten als Befürworter. Im Laufe der Zeit änderten sich jedoch die Meinungen der Einzelnen, so dass im Jahre 1944 nur noch Moltke, Gablentz, Steltzer und Rösch gegen das Attentat waren.
Die neue Regierungszusammensetzung
Nach Mierendorffs Tod Ende 1943 war Goerdeler bzw. Leber als Reichskanzler vorgesehen. Dabei sollte Leber zuerst das Amt des Innenministers bekleiden. Beck war als Reichsverweser vorgesehen, während Reichwein das Amt des Kultusministers übernehmen sollte. Yorck war für das Amt des Staatssekretärs in der Reichskanzlei auserwählt worden. Trott und Haeften sollten hohe Positionen im Auswärtigen Amt einnehmen, Haubach hingegen sollte für die Presse sowie für die Volkserziehung zuständig sein. Darüber hinaus sollte Leuschner Vizekanzler und Schwerin Staatssekretär beim Reichsverweser werden.
Vorbereitungen und Ausführung
Kurz vor dem Attentat versuchten Leber und Reichwein noch Kontakt zum kommunistischen Widerstand aufzunehmen um nach dem Attentat eine bestimmte Abstimmung zu erreichen. Trotz der Bedenken der anderen Kreisauer nahmen die beiden Kontakt zur Widerstandsgruppe um Anton Saefkow auf. Dies geschah am 22. Juni 1942. Bei dem Treffen war auch ein verdeckter Ermittler der Gestapo anwesend. Wenige Tage später wurden Reichwein und Leber im Zuchthaus Brandenburg inhaftiert. „Die deutsche Opposition verliert damit zwei weitere führende Mitglieder."16
Der Rest der Kreisauer war darüber im höchsten Maße beunruhigt, da zu befürchten war, dass ihre Absichten entdeckt werden könnten. So beschloss man sich das Attentat früher als geplant durchzuführen. Dies wiederum führte zu vermehrten Besprechungen und Planungen.
Das letzte und entscheidende Treffen fand am 16. Juli im Hause der Gebrüder Stauffenberg statt. Ursprünglich sollte das Attentat bereits am 15. Juli in der Wolfsschanze stattfinden, was sich aber als unmöglich herausstellte. Wenig später am 20. Juli 1944 gelang es Stauffenberg die Bombe in einer Lagerbaracke, die wegen der großen Hitze als Versammlungsraum erwählt wurde, zur Detonation zu bringen. Kurz zuvor verließen er und sein Adjutant Werner von Haeften unter dem Vorwand telefonieren zu müssen das Gebäude um sofort nach Berlin zu fliegen. Um 12.42 Uhr explodierte der Sprengsatz, vier der dreiundzwanzig anwesenden Personen starben, Hitler wurde nur leicht verletzt.
Noch während Stauffenberg und Haeften sich im Flugzeug nach Berlin befanden, wurde Friedrich Olbricht, dem allgemeinen Chef des Heeresamtes in Berlin mitgeteilt, dass Hitler noch am Leben sei. Olbrichts Aufgabe wäre es gewesen, Generaloberst Friedrich Fromm zur Mobilisierung des Ersatzheeres zu bewegen und mit dessen Hilfe die Dienststellen der NSDAP, der Geheimen Staatspolizei, der Schutzstaffel und der Verwaltung zu besetzen. Fromm erfuhr jedoch telefonisch, dass Hitler noch am Leben war und verweigerte die Kooperation. Daraufhin kam die ganze Putschaktion erheblich ins stocken. Zur gleichen Zeit in Frankreich ging die Putschaktion zügig voran. Unter der Leitung von General Karl-Heinrich Stülpnagel gelang es in Paris 1200 SS und SD Angehörige zu inhaftieren. Aber als der ebenfalls in Frankreich stationierte Generalfeldmarschall Hans Günther von Kluge erfuhr, dass Hitler noch am Leben war, lässt er Stülpnagel festsetzen und macht den Internierungsbefehl rückgängig. Dadurch brach der Putsch im Westen zusammen. In Berlin waren gegen 19 Uhr nur Teile der von den Putschisten mobilisierten Truppen auf den vereinbarten Posten anzutreffen. Zur gleichen Zeit kamen auch die ersten Gegenbefehle an die Hitler - treuen Truppen. Gegen 20 Uhr stürmten Truppen unter der Leitung Oberst Remers das Gebäude in der Bendlerstraße, in dem sich die Gebrüder Stauffenberg, Haeften, Beck, Yorck und Gerstenmaier befanden. Während Beck es vorzog sich selbst zu richten, was ihm nicht gelang (er erhielt den Gnadenschuß durch einen anwesenden Feldwebel), wurden die übrigen Verschwörer verhaftet. Etwa um Mitternacht wurden Haeften, Stauffenberg und zwei weitere Verschwörer im Hinterhof der Bendlerstraße erschossen. Stauffenbergs letzte Worte waren „Es lebe das heilige Deutschland."17
Damit war der Aufstand endgültig beendet.
Der Prozess und die Urteile
„Schon in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli wurde auch Lukaschek in Breslau verhaftet - etwa zur gleichen Stunde, als in Berlin mit dem Tode von Beck und der Erschießung von Claus Stauffenberg, Werner von Haeften [...] der Zusammenbruch der Erhebung endgültig besiegelt war."18 Yorck, Gerstenmaier, Schwerin und Schulenberg wurden im Dienstzimmer Stauffenbergs in der Bendlerstraße beim dem Versuch belastende Dokumente zu verbrennen festgenommen.
Um an die Namen der anderen Mitverschwörer zu kommen war der Gestapo und dem SD jedes Mittel recht. Die Gefangenen wurden gefoltert und aufs schwerste hin misshandelt.
So kam es dann, dass Hans-Bernd Haeften am 23. Juli, Adam von Trott am 25. Juli, Alfred Delp am 28. Juli, Steltzer am 1. August und Theodor Haubach am 9. August verhaftet wurden. Wenig später folgten noch van Husen und Rösch, der sich bis zum 11. Januar 1945 verstecken konnte. Alle wurden zunächst im Gestapogefängnis in Berlin inhaftiert. Es gelang nur sechs Mitgliedern sich der Verhaftung zu entziehen entweder, weil ihre Mitarbeit nicht entdeckt wurde wie bei Poelchau, Peters und Gablentz oder durch eine Flucht wie sie König gelang. Einsiedel und Trotha gelang es sich der Verhaftung zu entziehen. Den Frauen der Widerstandskämpfer erging es kaum besser als ihren Männern. So wurden Marion Yorck, Barbara von Haeften, Annedore Leber, Clarita von Trott und ihre nahen Verwandten in Sippenhaft genommen. Mit den Ermittlungen und der Prozessvorbereitung wurde Ernst Kaltenbrunner beauftragt. Auf seine Anweisung hin wurden die Gefangen brutalen Verhören ausgesetzt.
Bis zum Prozessbeginn am 7. August wurden die Gefangengenommenen in verschiedene Konzentrationslager und andere Haftanstalten um Berlin herum verlegt. Da Harald Poelchau nicht verdächtigt wurde mit dem Kreisauer Kreis in Kontakt zu stehen, konnte er durch sein Amt als Gefängnispfarrer seine Kameraden regelmäßig besuchen, ihnen Trost spenden und Nachrichten von einer Zelle zur anderen schmuggeln. Der Prozess vor dem Volksgerichtshof begann am 7. August 1944 und endete am 19. April 1945. Die ersten Prozesse fanden in einem Saal des Berliner Kammergerichts statt, wenig später wurde der Verhandlungsort jedoch in ein Gebäude nahe dem Potsdamer Platz verlegt. Die Führung des Prozesses übernahm Roland Freisler, der wie kein anderer seine Amtsgewalt missbrauchte. Die Hauptverhandlung gegen Yorck und sieben weitere Personen fand am 7./8. August statt. Yorck bekannte sich zu seinen Taten und wurde wenige Stunden später zusammen mit den anderen Angeklagten erhängt. „Noch am Tage seines Todes, am 8. August, hatte Yorck durch Poelchau die Freunde wissen lassen, daß die Gestapo dem Kreisauer Kreis noch nicht auf der Spur sei. Dies gelang ihr erst durch die Aussagen Gerstenmaiers am 17., 18. und 19. August."19
Am 20. Oktober begann das Verfahren gegen Reichwein und Leber. Auch sie wurden zum Tode verurteilt. Das Verfahren gegen Moltke, Gerstenmaier, Steltzer, Haubach und Delp begann am 9. Januar und dauerte bis zum 11. desselben Monats an. Freisler der hierbei besonders gegen die Mitglieder der Kirche vorging, überhäufte die Angeklagten mit wüsten Beschimpfungen. Am 11. Januar wurden Moltke und Delp zum Tode verurteilt, wenig später auch Haubach und Steltzer, während Gerstenmaier mit einer Haftstrafe davonkam. „Es ist erwiesen, daß Gerstenmaier‚ wenigstens 17 der zum Verschwörerkreis gehörenden Personen der Gestapo preisgegeben hat‘."20 Unter diesen 17 Personen war auch Moltke, dem man bis dahin nicht mit den Attentätern in Verbindung bringen konnte. Freisler kam am 3. Februar durch einen Bombenangriff ums Leben. Davor hatte er bereits zehn der dreizehn Angeklagten verurteilt. Die restlichen drei wurden entweder wie Lukaschek freigesprochen oder kamen mit kurzen Haftstrafen davon. Insgesamt wurden acht der dreizehn Angeklagten zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung fand im Gefängnis in Berlin-Plötzensee statt.
Die Vollstreckung der Urteile fand meist einige Wochen nach der Verurteilung statt, um die Gefangenen noch foltern zu können.
So wurde Yorck am 8.8.44, Haeften am 15.8.44, Trott am 26.8., Reichwein am 20.10.44, Leber am 5.1.45, Moltke und Haubach am 23.1. und Delp am 2. Februar hingerichtet. Auf Hitlers Wunsch hin wurden die Greueltaten auf Video festgehalten. Theodor Steltzer entging der Hinrichtung nur sehr knapp. Er verdankt sein Leben dem finnischen Masseur Himmlers, Felix Kersten, der sich bei Himmler für ihn einsetzte und somit unbegrenzten Aufschub der Hinrichtung erwirken konnte.
„Was mit den Leichen der Gehängten geschah, ist bis heute ungewiss geblieben; sie sollen verbrannt und ihre Asche - einem Befehl Himmlers folgend - auf den Rieselfeldern Berlins verstreut worden sein."21
Weiteres Fortwirken der Überlebenden
„...wir wollen, wenn man uns schon umbringt, doch auf alle Fälle reichlich Samen streuen."22
Trotz der gründlichen Verfolgung gelang es insgesamt elf aktiven Mitgliedern des Kreisauer Kreises den Krieg zu überleben. Diese elf waren König, Rösch, Peters, van Husen, Lukaschek, Steltzer, Gablentz, Gerstenmaier, Poelchau, Einsiedel und Trotha. Lukaschek, Rösch, Gerstenmaier und Poelchau widmeten sich in der Folgezeit karitativen Aufgaben wie Flüchtlingshilfe durch die Kirche und dem organisierten Wiederaufbau Deutschlands.
Einige der überlebenden Mitglieder blieben in Berlin und arbeiteten in der Sowjetischen Besatzungszone. Hierzu gehörten Trotha Einsiedel, Poelchau und Steltzer. Alle waren Mitglieder im Magistrat von Berlin. Doch bald begannen die sowjetischen Besatzer den ehemaligen Kreisauern wegen ihrer Kontakte zu den Amerikanern zu misstrauen. Hans Lukaschek und Carl Dietrich Trotha gelang rechtzeitig die Flucht in den Westen, während van Husen und Einsiedel verhaftet wurden. Van Husen kam jedoch schnell wieder frei, Einsiedel wurde ins KZ Sachsenhausen gebracht. Dort starb er Anfang 1948 vermutlich an Hungertyphus.
„Gablentz, van Husen, Lukaschek und Steltzer waren gemeinsam mit Jakob Kaiser und anderen Politikern an der Gründung der CDU in Berlin beteiligt, und auch Peters und Gerstenmaier gehörten zu den frühesten Mitgliedern der Partei."23
Diese Partei vereinte, wie einst der Kreisauer Kreis selbst, die verschiedenen Konfessionen. Bereits Ende 1945 wurde Theodor Steltzer zum Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein ernannt. Wenig später, nämlich 1946 wurde er erneut in seinem Amt bestätigt. Hans Lukaschek wurde 1949 Vertriebenenminister im ersten Kabinett Konrad Adenauers. In der Folgezeit galt Lukascheks Streben der Lösung des Flüchtlings- und Vertriebenenproblems. Eugen Gerstenmaier wurde am 16. November 1954 zum Bundestagspräsidenten gewählt bis er sich Anfang 1969 aus der aktiven Politik zurückzog.
Literaturnachweis
· Finker, K., GRAF MOLTKE und der Kreisauer Kreis, Berlin (DDR), Verlag Union Berlin, 1978
· Esser, B. und Venhoff,M., Die Chronik des Zweiten Weltkriegs, München, Chronik Verlag Gütersloh/München, 1997
· Löwenthal, R., Widerstand und Verweigerung in Deutschland 1933 bis 1945, Berlin, Verlag J.H.W. Dietz Nachf. GmbH, 1982
· van Room, G., Widerstand im Dritten Reich, München, C.H. Beck Verlag, 19874
· Winterhager, W., Der Kreisauer Kreis Portrait einer Widerstandsgruppe, Berlin, v. Hase & Koehler Verlag, 1985
· Yorck v. Wartenburg, M., Die Stärke der Stille, München, Diederichs Verlag, 1985²
· Zentner, K., Illustrierte Geschichte des Widerstandes in Deutschland und Europa 1933-1945, München, Südwest Verlag GmbH & Co, 1983²
„Ich erkläre hiermit, dass ich die Facharbeit ohne fremde Hilfe angefertigt
und nur die im Literaturverzeichnis angeführten Quellen und Hilfsmittel benutzt
habe."
München, den 01.02.04
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